Bus Rapid Transit Neue Unabhängigkeit im Stadtverkehr

16:00 Uhr – Feierabend für Christoph W. Er läuft zur Bushaltestelle, die nur wenige Minuten entfernt ist. Mit rund fünf weiteren Kollegen wartet er und starrt auf die im Stau stehenden Autos vor sich. Sein Blick schweift in die Ferne entlang der Hauptstraße. Da ist er. Ganz leicht erkennt er den kastenförmigen Umriss des Stadtbusses inmitten der Autoschlange – bis dieser an der Haltestelle ankommt, kann es noch dauern. Christoph seufzt. Selbst wenn er in 10 Minuten im Bus sitzt wird es nicht besser. Dann ist er statt Staubeobachter nur selbst Teil des Staus geworden…

Genau dieses Problem greift das neue Busverkehrssystem BRT – Bus Rapid Transit auf. Der Begriff „Rapid“ (zu Deutsch: schnell, rasch) verrät es schon: Der Bus wird wie die Bahn zum schnellen Verkehrsträger. Langsames Vorankommen im Feierabendverkehr? Vorbei.

Separate Busspuren, abgestimmte Ampeln und Pre-Ticketing

Die Lösung sind separate Busspuren, die einen schnellen und getakteten Betrieb gewährleisten. Im Gegensatz zu Christophs Bus, dessen Ankommen vom Durchdringen des Staus abhängt, sorgt BRT für ein staufreies Fahren und Zuverlässigkeit trotz des übrigen Stadtverkehrs. Doch nicht nur separate Busspuren sind für einen effizienten Verkehrsfluss notwendig. Richard Mejía, Leiter des BRT-Teams bei Daimler Buses erklärt: "Wichtig ist ein systematischer Planungsansatz. Neben separaten Busspuren sind ebenfalls eine konsequente Priorisierung an Ampeln, Pre-Ticketing und moderne, barrierefreie Haltestellen wichtig. Außerdem sind BRT-Linien mit dem übrigen öffentlichen Nahverkehr sowie mit „Park + Ride“- und „Bike + Ride“-Angeboten zu verknüpfen."

Blick in die Zukunft

Künftige Technologien wie z. B. (teil-)autonomes Fahren von Bussen sind prädestiniert für den Einsatz in BRT-Systemen und sind in der Lage, nachhaltige Mobilitätskonzepte wie BRT noch attraktiver zu gestalten: „Teilautonomes Fahren von Bussen, wie es mit dem Mitte 2016 vorgestellten Future Bus von Mercedes-Benz auf BRT-Linien möglich ist, wird sowohl Betreibern als auch Fahrern große Vorteile im täglichen Betrieb bieten. Die Betreiber werden sich über einen geringeren Kraftstoffverbrauch freuen können. Durch ein konstantes Beschleunigungs- und Bremsverhalten werden die Busse noch viel sparsamer unterwegs sein und ganz nebenbei auch den Fahrkomfort steigern“, so Mejía. Auch die Fahrgäste profitieren. Separate Busspuren, wie es sie derzeit für BRT bereits gibt, vermindern bereits die Gefahr für Unfälle. Autonomes Fahren könnte in Zukunft dazu beitragen, nahezu unfallfrei zu fahren. Außerdem sorgen präzise gesteuerte Haltestellenanfahrten für einen barrierefreien Einstieg für ältere oder beeinträchtige Menschen.

BRT-System in Istanbul

Klingt einfach. Doch wer dabei an eine Großstadt denkt, kann sich schwer vorstellen, dass die Einführung einer komplett separaten Straßenspur für Busse sich einfach gestaltet. Doch es geht tatsächlich. Nachhaltige Mobilitätskonzepte mit BRT gibt es inzwischen auf allen Kontinenten. Fortlaufend werden neue Strecken geplant und eingerichtet. 185 BRT-Systeme weltweit mit einer Beförderung von über 30 Millionen Fahrgästen täglich zählen Experten heute.

In Istanbul erstreckt sich die BRT-Spur beispielsweise über insgesamt 52 Kilometer Länge und transportiert 750.000 Fahrgäste täglich. Auch Städte wie Amsterdam, Straßburg und Paris betreiben bereits ihr eigenes BRT-System.

In Deutschland ist BRT bislang allerdings noch nicht umgesetzt worden. Warum? „Grundsätzlich ist es in Deutschland noch so, dass einem als erster Gedanke immer noch die Schiene in den Sinn kommt. Fakt ist jedoch, dass BRT-Systeme viele Vorteile bieten, die bei der Planung von Verkehrssystemen Berücksichtigung finden sollten. So sind beispielsweise die Investitions- und Betriebskosten im Vergleich zu Schienensystemen geringer. Diese Erkenntnis erhält nun auch langsam Einzug in der deutschen Verkehrsplanung“, bemerkt Richard Mejía.

BRT 2.0

Sicher ist jedoch: Bus Rapid Transit bietet zahlreiche Vorteile für den Verkehr in urbanen Räumen. Dabei wird das bisherige Konzept auch ständig weiterentwickelt und an neue Technologien oder die aktuelle Stadtplanung angepasst. Künftig wird auch das emissionsfreie Fahren mit Elektromobilität eine Rolle spielen. Dafür werden die Weichen derzeit gestellt. Auch eine erweiterte und intelligente Vernetzung, beispielsweise zwischen Fahrzeugen, Signalanlagen und der Fahrbahn, wird BRT-Systeme künftig noch attraktiver machen.

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