WLTP und NEFZ. Teil II: Vergleich der Prüfstandmessung

Rund 25 Jahre lang war der NEFZ der gültige Prüfzyklus für Fahrzeuge in der EU. Seit 1. September 2017 gilt nun das neue Prüfverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure), der den NEFZ in zwei Stufen zu Ende August 2018 ablöst.

Veraltet – aber noch relevant: der NEFZ

Somit werden nun alle emissionsseitig neu zu zertifizierenden Fahrzeugtypen nach WLTP* geprüft. Parallel wird aber für diese Fahrzeuge weiterhin ein NEFZ-Verbrauchswert ermittelt und in naher Zukunft weiterhin als die rechtlich erforderliche Angabe in den Verkaufsunterlagen sowie allen weiteren Publikationen ausgewiesen.

*In der Begrifflichkeit unterscheidet man WLTP, die Prozedur insgesamt (zu der auch die Rahmenbedingungen des Tests gehören) und WLTC, den Fahrzyklus im engeren Sinne. Der Einfachheit halber verzichten wir im weiteren Verlauf auf diese Unterscheidung.

Zudem ist die sogenannte CO₂-Flottencompliance, der Flottendurchschnittswert jedes Herstellers, der zur Einhaltung der Klimaziele dient, bis einschließlich 2020 weiterhin im NEFZ nachzuweisen. In dieser Übergangsphase werden also weiterhin „NEFZ-Werte“ aus der WLTP-Messung errechnet. Dazu stellt der Gesetzgeber das sogenannte CO₂MPAS-Tool zur Verfügung, das die WLTP-Werte in einen NEFZ-Wert umrechnet. Bei allen Änderungen bleiben die Grundprinzipien des Tests nach Antriebsart unverändert. Hier die wichtigsten Merkmale der Messung auf einen Blick:

Prüfstandsmessung

Grundprinzipien der Testung

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge Elektrofahrzeuge
Ein nach zeitlicher Dauer, Streckenprofil (Stadt, Land, Autobahn), Temperaturbedingungen, Beschleunigung etc. definierter Prüfstandzyklus wird einmal gefahren. Der Zyklus wird analog zu Verbrennern mehrmals
gefahren, bis die Batterie des Hybridfahrzeugs leer ist. Damit erfasst man die rein-elektrische Reichweite.
Der Zyklus wird analog zu Plug-in-Hybriden so oft gefahren, bis die Batterie
leer ist.
Als Ergebnis wird aus den CO₂-Emissionen der Kraftstoff-Verbrauch ermittelt. Ebenso werden die Schadstoffemissionen
(NOx, Partikel, …) gemessen.
Die elektrische Reichweite im Verhältnis zur Gesamtreichweite ergibt den Nutzenfaktor (UF). Der PiH Nutzenfaktor liegt zwischen 100% (reine E-Fahrzeuge) und 0% (reine Verbrenner). Über ein mit Stromzähler ausgestattetes Ladegerät wird der Stromverbrauch zur Komplettaufladung der Batterie in
kWh gemessen.
  Der CO₂-Wert errechnet sich aus dem konventionellen Fahranteil und den gemessenen CO₂-Emissionen. Die verbrauchte Strommenge und die Reichweite des Fahrzeugs ergeben den Strombedarf in kWh/100 km.

WLTP - Neuer Zyklus für den Prüfstand

Der WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure) ist also nun das Maß der Dinge. Ursprünglich war er als weltweit gültiges, harmonisiertes Testverfahren gedacht. Daher sind in die Entstehung des Zyklus tatsächlich exemplarische Fahrprofile „aus aller Welt“ eingeflossen. Das Ziel der weltweiten Harmonisierung konnte schließlich doch nicht realisiert werden, weil die USA und China hinsichtlich der Verbrauchsmessung und weitere Länder in der Gestaltung des WLTP aus den Gesprächen ausgestiegen sind.

Aktuell gilt der WLTP in der EU und voraussichtlich zukünftig in weiteren Ländern wie Japan, Indien und Australien. Dabei hat aber auch jedes Land Spezifika hinzugefügt – zum Beispiel verzichtet Japan auf den Autobahnzyklus, da er dort im Alltag nicht relevant ist. Die Messung findet wie beim Vorgänger NEFZ auf dem Prüfstand statt und schreibt standardisierte, reproduzierbare und vergleichbare Prüfbedingungen für alle Fahrzeughersteller vor. Also alter Wein in neuen Schläuchen? Nicht ganz: Der neue Zyklus liefert näher am realen Fahrgeschehen orientierte Testergebnisse und sorgt so für mehr Transparenz. Es bleibt aber auch klar, dass ein standardisierter Testzyklus nicht den Individualverbrauch eines jeden Einzelnen abbilden kann und es hier auch weiterhin Abweichungen geben wird.

Was kann der Neue?

Auch Messverfahren müssen mit der Zeit gehen. Fahrzeuge und Nutzungsverhalten haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Unsere Fahrzeuge sind zum Beispiel stärker motorisiert, verfügen über mehr Sonderausstattungen, die den Verbrauch verändern, die täglichen Fahrstrecken sind im Schnitt länger und auch die Fahrtdauer ist angestiegen. Alldem soll der WLTP besser gerecht werden. Hier die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick - bitte auf die Icons klicken:

Die Zyklusparameter im Vergleich

Parameter WLTP NEFZ
Starttemperatur kalt kalt
Zyklusdauer 1.800 s 1.180 s
Standzeit 242 s 267 s
Stoppanteil 13,4 % 22,6 %
Distanz 23.262 m 10.931 m
Höchstgeschwindigkeit 131,3 km/h 120 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit 46,5 km/h 33,35 km/h
Temperatur 23° Celsius 25 +/- 5° Celsius
Sonderausstattung des individuellen Modells Werden berücksichtigt für Gewicht, Aerodynamik, Rollwiderstand, Bordnetzbedarf; ohne Klimaanlage in Stufe I. Bleiben außer Reifen unberücksichtigt; ohne Klimaanlage.

Die Vorteile:

• Für Kunden schafft der WLTP einen realistischeren Vergleichsmaßstab der Verbrauchs- und Emissionswerte verschiedener Fahrzeugmodelle.

• Und für uns als Hersteller liefert er eine rechtlich zuverlässige Grundlage zur Zertifizierung neuer Fahrzeuge.

• Zusätzlich zur Verbrauchs- und Emissionsmessung auf dem Prüfstand müssen in Zukunft auch die Schadstoffgrenzwerte auf der Straße eingehalten werden – das schreibt die neue Euro-Norm 6d TEMP vor. Das führte zur Entwicklung des ebenfalls seit 1. September 2017 eingeführten RDE-Tests (Real Driving Emissions). Dabei werden mithilfe von portablen Messgeräten (PEMS – Portable Emissions Measuring System) die Emissionen von Fahrzeugen im realen Straßenverkehr ermittelt. Die RDE-Messung und somit die Verpflichtung, „Not-to Exceed Limits“ (Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen) auch auf der Straße einzuhalten, ist seit September 2017 notwendige Voraussetzung für die Erteilung der Typgenehmigung durch das KBA.

Das alles wird zu einer deutlich realistischeren Abbildung von Emissions- und Verbrauchs-verhalten neuer Baureihen führen. Zu erwarten ist jedoch laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA), dass im EU-Durchschnitt (stückzahlengewichtet) die nummerischen CO₂-Werte durch die NEFZ-WLTP-Umstellung – auch als „Währungsreform“ bezeichnet – im Vergleich zu nach NEFZ zertifizierten Fahrzeugen um rund 22 Prozent ansteigen. Das wird zu Beginn der kommunikativen Umstellung vor allem im Austausch mit Kunden den Nachteil haben, dass ein und dasselbe Fahrzeug vermeintliche schlechtere Werte aufweist, obwohl sich am Stand der Technik nichts verändert hat. Notwendige Informationen hierzu liefert zum Beispiel schon jetzt der neue WLTP-Auftritt von Mercedes-Benz.

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