Voller Energie

Nächstes Jahr, 2022, sollen alle Mercedes-Benz Pkw und Van-Werke CO2-neutral produzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Energieaufwand möglichst klein, die Energieeffizienz möglichst groß sein. Im Mercedes-Benz Werk Hamburg sucht ein unternehmensübergreifendes Projektteam nach Möglichkeiten, Energie einzusparen. Mit einer klaren Strategie, viel Kreativität und Herzblut.

Wer Walter Gehrke und Rene Steinhagen nach einer Vision für die Produktion der Zukunft fragt, erhält eine übereinstimmende Antwort: Die Energieversorgung der Fertigung soll genauso wichtig werden wie die Qualität der Produkte. „Die Energieversorgung ist ein Wettbewerbsvorteil“, sagt Gehrke, der eben für diese im Hamburger Mercedes-Benz Werk zuständig ist. Er und sein Kollege Rene Steinhagen, verantwortlich für die Planung der Anlagen, arbeiten seit fast drei Jahrzehnten im Werk und engagieren sich seit Langem für nachhaltige Projekte – sowohl am Standort als auch als Botschafter in der Nachbarschaft oder im Industrieverband Hamburg: „Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind bei uns im Werk seit vielen Jahren fest verankert und gehören zu unserem Selbstverständnis“, erzählt Gehrke und verweist auf die enge Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), auf die zahlreichen Grünflächen, Biodiversitätsprojekte und das zertifizierte Umweltmanagement.

Wer das Werk Hamburg betritt, merkt gleich, wie präsent das Thema Nachhaltigkeit im Werk 68 ist. Seien es die Umweltzertifikate am Werkstor oder die Anzeigetafel am Blockheizkraftwerk, das für alle Kolleginnen und Kollegen sowie Besucher auf dem Weg zur Kantine sichtbar ist.

Doch Effizienz spielt nicht nur beim fertigen Produkt eine wichtige Rolle, sondern auch auf dem Weg dahin. Um den Verbrauch von Energie, Wasser und die Menge des entstehenden Abfalls zu reduzieren, gestalten die Hamburger ihre Prozesse immer effizienter, umweltschonender und vernetzter. Unterstützt werden sie dabei von den Energieexperten der Siemens Smart Infrastructure.

Zusammenarbeit seit 1993

Die Ursprünge in der Zusammenarbeit mit Siemens in Hamburg liegen dabei bereits in den frühen 1990er-Jahren. Damals wurde eine zentrale Gebäudeleittechnik im Werk etabliert. Ein System, das die entscheidenden Daten für Transparenz bei den Energieströmen liefert. „Mit Hilfe der Gebäudeleittechnik war es möglich, die größten Verbraucher im Werk zu identifizieren. Über das System können wir alle Anlagen betreiben, deren Werte messen und auswerten – sei es der Verbrauch, die Temperatur oder Störungsmeldungen. Aktuell sind das über 1.400 Energiezähler“, erklärt Steinhagen. „Diese Transparenz war natürlich die perfekte Grundlage, um noch einen Schritt weiter gehen zu können.“

Der weitere Schritt startete 2016. Da analysierte das Team rund um Gehrke und Steinhagen gemeinsam mit den Energieexperten von Siemens binnen zwei Jahren den gesamten Energieverbrauch im Werk, erstellte Lastgangauswertungen und ermittelte Einsparpotenziale. „Wir haben jede Produktionshalle untersucht und anschließend eine Grobanalyse erstellt. Daraus wurden dann pro Halle Maßnahmen abgeleitet“, erinnert sich Gehrke. „Wir haben geschaut, wie viel Gas, Wasser, Strom und CO₂ wir einsparen können und gegenübergestellt, was ein Umbau kosten würde. Letztlich haben wir uns für sieben Maßnahmen entschieden, mit denen wir die Energieeffizienz am Standort Hamburg steigern wollen.“

Das Projektteam im Werk Hamburg: Christoph Lauterbach, Dana Peper, Walter Gehrke und Rene Steinhagen (von links). Beide Unternehmen treibt dasselbe Ziel – eine nachhaltige und noch wettbewerbsfähigere Automobilproduktion.

Anfang Juni dieses Jahres starteten die Umbaumaßnahmen auf dem Werksgelände. Darunter zum Beispiel verschiedene energieeffiziente Abluft- und Kühlanlagen, die sich ganz gezielt bedarfsgerecht nutzen lassen. „Bei den meisten Energieeffizienzmaßnahmen geht es darum, sich den tatsächlichen Bedarf genau anzusehen und die betroffenen Anlagen dann bedarfsgerecht zu regeln oder zu automatisieren. So wird eben nur der tatsächliche Bedarf gedeckt und nicht mehr. Ein wichtiger Schritt im verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen“, erklärt Christoph Lauterbach, bei Siemens verantwortlich für den Vertrieb von Energieeffizienzlösungen für die Mercedes-Benz Werke deutschlandweit. „Nehmen wir als Bespiel eine Kühlzone, die im Rahmen der kathodischen Tauchlackierung benötigt wird. Hier kam zuvor ein Ventilator mit ineffizientem Antrieb zum Einsatz, der unabhängig von der Anzahl der zu kühlenden Gestelle betrieben wurde. Durch eine bedarfsgerechte Regelung dieser Lüftung – gezielt auf die benötigte Anzahl der Gestelle - und in Verbindung mit energieeffizienten Antrieben konnten wir große Einsparungen erwirken“, erklärt Lauterbach.

Stimmen aus dem Projektteam

Neben der Analyse der Gebäudeleittechnik stand auch die intensive Einbindung des Betreiberpersonals klar im Fokus. „Die gemeinsame Gestaltung des Veränderungsprozesses und die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen waren uns sehr wichtig“, beschreibt Steinhagen das Vorgehen. „Niemand kennt so viele Details über die Anlagen wie ein Betreiber, der diese über Jahre bedient. Diese Art von Veränderung funktioniert nur gemeinsam.“

Öko- und Wirtschaftsbilanz profitieren

Die Hamburger arbeiten seit vielen Jahren an der Optimierung ihrer Energieversorgung. Dies zeigt sich in einer Vielzahl an Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden. Dazu zählt nicht zuletzt die Beleuchtung. Dana Peper ist Diplomingenieurin und Projektleiterin der Energieeffizienzpartnerschaft bei Siemens. Sie sieht noch deutlich mehr Chancen: „Wir sehen die größten Potenziale an der Schnittstelle zwischen Infrastrukturanlagen und Produktion. Der Fokus der ausgewählten Maßnahmen liegt auf der Reduzierung von elektrischer Energie und Erdgas und somit auch auf der Reduzierung von CO₂“, erklärt Peper. Neben der Ökobilanz profitiert auch die wirtschaftliche Bilanz. Vor allem das Einsparen von Strom lohnt sich dabei auch finanziell. Die Kosten für Umbauarbeiten lassen sich damit zum Teil schnell decken.

Die Hamburger arbeiten seit Jahren an der Optimierung ihrer Energieversorgung. Sogenannte ‚quick wins‘ sind bereits umgesetzt. Dazu zählt beispielsweise die gesamte Beleuchtung im Werk.

Ein ganz entscheidender Schritt ist zudem das Monitoring der eingeleiteten Maßnahmen. „Es ist der letzte Schritt des Prozesses, aber ein ganz entscheidender für den nachhaltigen, langfristigen Erfolg. Über zwei Jahre werden alle umgesetzten Maßnahmen von Experten weiter beobachtet: Wie verhalten sich die Anlagen? Sind die Einstellungen an den Anlagen korrekt? Werden diese richtig bedient? Ein zeitaufwändiger Schritt, der aber beweist, dass die errechneten Einsparungen auch wirklich da sind“, erklärt Peper.

Die ersten sieben Energieeffizienz-Maßnahmen im Werk Hamburg waren nur der Startschuss. Weitere Feinanalysen sind bereits in Planung – neben Hamburg auch in weiteren Mercedes-Benz Werken. „Das Werk Hamburg hat ambitionierte Energieziele und wir tun alles dafür, diesen täglich einen Schritt näher zu kommen“, so die Kollegen Gehrke und Steinhagen.

Mehr Informationen zur Partnerschaft finden Sie hier:

Digitalisierungsoffensive: Mercedes-Benz und Siemens schließen strategische Partnerschaft für eine nachhaltige Automobilproduktion

Wir verwenden Cookies

Damit wollen wir unsere Webseiten nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie die Webseiten weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu.