Gemeinsam stark für Menschenrechte

Daimler geht in die Offensive für eine nachhaltige Rohstofflieferkette. Grundlage ist das Human Rights Respect System: Ein risikobasierter und strategischer Ansatz, um der Verletzung von Menschenrechten frühzeitig und aktiv entgegenzutreten.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Mit unserer CASE-Strategie stellen wir die Weichen für die Mobilität der Zukunft. Der Ausbau der Elektromobilität (das E in CASE) bringt neue Herausforderungen mit sich, beispielsweise auch in Bezug auf Rohstoffe und Lieferketten. So werden für die Produktion von Batteriezellen Lithium, Kobalt und Nickel benötigt.

Dabei stellen sich wichtige Fragen, die in der öffentlichen Debatte kritisch diskutiert werden, denn die benötigten Rohstoffe werden teilweise unter menschenrechtlich kritischen Bedingungen abgebaut. Ein zentrales Thema dabei ist Kinderarbeit. Die größten Kobaltvorkommen befinden sich im Kongo – einem Land, das politisch instabil und von humanitären Krisen betroffen ist. Eine große Herausforderung, aber auch gleichzeitig unser Anspruch als Unternehmen: Wie können wir sicherstellen, dass unsere Produkte aus Materialien hergestellt werden, die aus einer nachhaltigen Lieferkette stammen, also ohne dass Menschenrechte verletzt werden?

Die Rohstofflieferkette ist komplex

Zuerst einmal ist es wichtig zu verstehen, wie die Rohstoffe zu uns gelangen. Wir beziehen die genannten Metalle, die für den elektrischen Antrieb notwendig sind, nicht direkt. Vielmehr gibt es mehrere Lieferstufen, die wiederum mehrere Lieferanten beinhalten können, sogenannte „Tiers“. Oft sind unsere Lieferketten deswegen sehr komplex und manchmal besteht eine solche Lieferkette aus bis zu sieben Zuliefererstufen. Das Ziel einer „sauberen“ Lieferkette erreichen wir nur gemeinsam mit unseren Lieferanten. Denn rechtlich gibt es keinen Durchgriff, das heißt mit rein juristischen Mitteln ist es nicht möglich, auf die gesamte Lieferkette zuzugreifen. Deshalb arbeiten wir hier eng mit unseren Lieferanten zusammen.

Komplexität der Rohstofflieferkette am Beispiel von Batteriezellen.

Unser Anspruch ist ganz klar: Wir wollen, dass in unseren Produkten nur Rohstoffe und Materialien enthalten sind, die ohne Menschenrechtsverletzungen abgebaut und produziert wurden. Aufgrund der Komplexität der Lieferketten und der Vielzahl von Rohstoffen und Materialien in unseren Produkten muss man dabei risikobasiert und strategisch vorgehen. Deshalb haben unsere Menschenrechtsexperten gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Compliance-Bereich einen systematischen Ansatz zur Achtung der Menschenrechte entwickelt – das Human Rights Respect System.

Systematische Prüfung von Menschenrechtsrisiken

Das Human Rights Respect System umfasst vier Schritte.

Das Human Rights Respect System (HRRS) ist ein branchenweit einzigartiger Ansatz. Ziel ist es, Risiken und mögliche negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Dabei wird es zukünftig sowohl in unseren Lieferketten als auch in unseren Mehrheitsgesellschaften angewendet. Es orientiert sich an unserem bewährten Compliance Management System und besteht aus vier Schritten.

Im ersten Schritt wird das Risiko analysiert. Für unsere Lieferketten bedeutet das: Wir haben eines unserer Fahrzeuge als Referenz herangezogen, in dem besonders viele Teile verbaut werden. Diese haben wir dann mit unabhängigen Listen von Risiko-Rohstoffen abgeglichen, beispielsweise dem Sorgfaltspflichtenkatalog der OECD und der „Child and Forced Labour List“ des US Department of Labor. Auf diese Weise haben wir potentielle Risiko-Rohstoffe identifiziert.

Transparenz bis zur Mine

Dort, wo es Hinweise auf Risiken gibt, schauen wir uns im zweiten Schritt risikobasiert die gesamte Lieferkette an. Damit gehen wir über direkte Lieferanten hinaus und schaffen Transparenz, bei Bedarf bis hin zur Mine. Mit sogenannten „Supply Chain Walks“ führen unsere interdisziplinären Teams unter anderem Vor-Ort-Kontrollen und Audits durch, aber auch Kommunikations- und Trainingsmaßnahmen für Lieferanten sind Bestandteil des HRRS. Wir sprechen auch mit den Menschen vor Ort, den sogenannten Rechteinhabern. Ihre Perspektive ist ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung des Human Rights Respect Systems. Ausgangspunkt für die Supply Chain Walks ist der Tier1-Lieferant und von dort geht der Weg entlang der kritischen Stellen in der Lieferkette, bei Bedarf bis zur Mine. Die Vor-Ort-Kontrollen werden von interdisziplinären Teams durchgeführt. Sie bestehen aus Vertretern der 700 Qualitätsingenieure des Bereichs Einkauf und Lieferantenqualität sowie Experten für Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Compliance.

Darüber hinaus haben wir in einem Pilot-Projekt erstmals die Kobalt-Lieferkette eines künftigen Batteriezellenlieferanten auditieren lassen. Das externe Audit-Unternehmen RCS Global hat dazu auf allen Stufen der Lieferkette nach OECD-Standards kontrolliert. Die Prüfung umfasste unter anderem Aspekte wie Kinderarbeit, Arbeitsschutz und Gesundheitsmaßnahmen, Materialkontrolle sowie vorhandene Due Diligence Systeme. Die Erfahrung aus diesem ersten Pilotprojekt wird nun in einem mehrjährigen Programm auf die weiteren Kobaltlieferketten ausgeweitet und ist auch ein zentraler Teil unserer künftigen Strategie zur verantwortungsvollen Beschaffung von Kobalt.

Wir beziehen Kobalt aus Minen der Demokratischen Republik Kongo*. Die Angaben dazu basieren auf den Informationen direkter Lieferanten. Die Tabelle zeigt eine Übersicht der Schmelzen in unseren aktuellen Lieferketten.

Namen der Schmelzen / Raffinerien Standort Herkunftsland des Kobalts
*Umicore verweist auf den Prüfbericht von PwC „Validation of Umicore’s Sustainable Procurement Framework for Cobalt“. Darin werden die Herkunftsländer des Kobalts nicht benannt. PwC wurde volle Transparenz gewährt.
Freeport Finnland / Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo
CDM / Huayou Cobalt Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo
Umicore* Belgien Siehe Anmerkung*

Wir prüfen neue Lieferketten, aber bei Bedarf auch schon bestehende: Das war zum Beispiel in der Lacklieferkette der Fall. Dabei ging es um die Herkunft des Rohstoffs Glimmer, dessen Abbau auch mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird. Glimmer wird benötigt, um beim Fahrzeuglack einen schimmernden Effekt zu erzielen. Das Unternehmen hat deswegen die gesamte Glimmer-Lacklieferkette überprüft - von der Mine bis zur Anlieferung der Fahrzeuglacke in den Werken. Dieses Vorgehen wurde auch von externen Stakeholdern positiv bewertet, etwa von der NGO Terre des Hommes.

Der dritte Schritt des Human Rights Respect Systems ist die Evaluation der Umsetzung und der Wirksamkeit der Maßnahmen. Natürlich passen wir das System immer wieder an neue Erkenntnisse und Herausforderungen an. Die Ergebnisse veröffentlichen wir, zum Beispiel in unserem Nachhaltigkeitsbericht.

Daueraufgabe und Teamarbeit

Es ist unser Ziel, die Lieferketten der identifizierten potenziellen Risikorohstoffe sukzessive transparent zu machen. Das ist eine große Herausforderung, denn Transparenz lässt sich nicht auf Knopfdruck herstellen. Es ist eine Daueraufgabe, die wir fest im Blick behalten. Deshalb arbeiten Experten aus verschiedenen Fachbereichen wie Einkauf und Lieferantenqualität, Compliance und Corporate Responsibility sehr eng zusammen, um das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln voranzubringen. Mit dem risikobasierten Ansatz des Human Rights Respect Systems haben wir das notwendige Instrument dafür. Es ermöglicht uns, strategisch und zielgerichtet vorzugehen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und sie zu minimieren. Damit sind wir auf einem sehr guten Weg, die Achtung der Menschenrechte in unserer Lieferkette sicherzustellen.

Wir verwenden Cookies

Damit wollen wir unsere Webseiten nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie die Webseiten weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu.