Winterstudie in Finnland. Daylight+ Erprobung in der Winterdunkelheit am Polarkreis

Viele Stunden Fahrt, eine Pause, anschließend wieder stundenlanges Fahren. Am nächsten Tag derselbe Ablauf. Klingt ermüdend? Für Lkw-Fahrer ist das der Alltag. Vor allem Fernfahrer müssen trotz monotoner Straßenführungen immer konzentriert sein. Im Winter sind sie zudem häufig im Dunkeln auf unseren Straßen unterwegs. Eine Winterstudie in Finnland bringt nun Licht in die Fahrerkabine.

Schwierige Bedingungen

Licht ist enorm wichtig für das menschliche Wohlbefinden. Es beeinflusst unseren Tagesrhythmus und bestimmt unsere physischen und mentalen Zustände. Fehlt uns Licht, kann das zu verminderter Leistungsfähigkeit und Antriebslosigkeit führen.

In der Lkw-Fahrerkabine erreicht nur ein sehr kleiner Teil des natürlichen Lichts das Auge des Fahrers – nämlich weniger als 10 Prozent. Deshalb beschäftigen sich die Mitarbeiter im Bereich Entwicklung zurzeit mit einer zusätzlichen Beleuchtung in der Fahrerkabine.

Versuchsreihen und Studien

In einer ersten Versuchsreihe konnten sie bereits erreichen, dass sich die Testpersonen durch zusätzliches Licht deutlich besser gefühlt haben. Mit der jetzigen Studie wird dieses Ergebnis weiter untersucht: Wirkt sich die Tageslichtergänzung „Daylight+“ positiv auf die Leistungsfähigkeit des Fahrers aus?
Um dies herauszufinden, wurden zwei ausgerüstete Trucks nach Finnland geschickt.

So funktioniert es

Die Daylight+-Leuchte ist in der Kabinendecke angebracht. Ihre Helligkeit und Farbe sind regulierbar. Der Fahrer wird morgens mit einem Lichtwecker, der den Sonnenaufgang simuliert, geweckt. Während der Fahrt passt sich die Helligkeit den äußeren Lichtverhältnissen an, damit der Fahrer nicht geblendet wird. Steht der Lkw, ist die Leuchtkraft im Maximalbetrieb.

Die biologische Wirksamkeit der Beleuchtung wird durch einen hohen Blauanteil mit 460-490 Nanometer erreicht. Damit aktivieren wir spezielle Rezeptorzellen im Auge um die Wach- und Aufmerksamkeit am Tage zu unterstützen.

Sebastian Schüler, arbeitet in der Entwicklung und promoviert zum Thema „Biologisch wirksames Licht“.

Ablauf der Studie

Die Versuchsfahrten wurden in zwei Zeitintervallen zu je vier Wochen vor und nach dem Jahreswechsel durchgeführt. Schauplatz war das finnische Rovaniemi. Die Stadt liegt am nördlichen Polarkreis, im Winter wird es hier auch tagsüber kaum richtig hell – für die Studie ist das eine ideale Voraussetzung.

Die nicht unwichtigen Nebendarsteller waren zwei Mercedes-Benz Actros mit unterschiedlicher Ausstattung: Während in einem Lkw die Daylight+-Leuchte verbaut war, hatte der zweite eine herkömmliche Kabinenbeleuchtung.

Hauptdarsteller waren natürlich die Lkw-Fahrer. Jeder Trucker fuhr eine Arbeitswoche mit dem einen Lkw, anschließend eine weitere Woche mit dem anderen. Die Studie wurde so in acht Versuchswochen mit acht Probanden durchgeführt. Durch den Wechsel der Trucks sollen individuelle Auswirkungen des Lichts auf die einzelnen Fahrer untersucht werden.

Vier Aspekte sind besonders wichtig

  • Die Leistungsfähigkeit wurde unter anderem durch ein Wach-EEG gemessen.
  • Für die Akzeptanz beantworteten die Fahrer einen Fragebogen am Ende jeder Woche.
  • Die Fahrgüte bzw. Wirtschaftlichkeit wurde über die FleetBoard-Fahrzeugdaten erfasst.
  • Die Schlafqualität konnte durch Fragebögen und einer Polysomnografie light in zwei Nächten der Woche festgestellt werden. Bei dieser Untersuchung wird der Schlaf analysiert, indem mehrere unterschiedliche Körperfunktionen überwacht werden.

Unter Beobachtung

Auch wenn alles genau dokumentiert wurde, sollte gleichzeitig eine möglichst reale Arbeitswoche nachgestellt werden. Die Trucker fuhren also wie im Berufsalltag vor- und nachmittags und schliefen unter der Woche in der Lkw-Kabine. Hinzu kamen die vielen Untersuchungen vor, zwischen und nach den Fahrten. Dabei wurden die Fahrer immer nur mit sich selbst verglichen. Also wie sich die Performance eines Fahrers verändert, wenn er nach fest definierten Bedingungen zusätzlich biologisch wirksames Tageslicht bekommt.

Im Einsatz bei Eis und Schnee: der Mercedes-Benz TopFit-Truck mit Daylight+.

Daten über Daten

Nun werden die Ergebnisse ausgewertet: Das adaptive Daylight+ konnte während der Fahrt die tägliche Lichtdosis auf den dreifachen Wert anheben. Zusammen mit den Lichtduschen vor und nach der Fahrt konnte die Lichtdosis in der Fahrerkabine im Vergleich zur normalen Tagesdosis mehr als verfünffacht werden. Bei Daylight+ passt sich die Helligkeit im Fahrerhaus durch einen Sensor ständig an die äußeren Bedingungen an. So kann die tägliche Lichtdosis um ein Vielfaches gesteigert werden, ohne den Fahrer zu blenden.

Alle Testpersonen waren mit Daylight+ aufmerksamer als im Referenz-Lkw ohne Beleuchtung. In Minuten betrachtet konnte der unaufmerksame Fahrtanteil durch Daylight+ im Schnitt von 44 min auf 18 min reduziert werden. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Unaufmerksamkeit der Fahrer am Nachmittag nicht zunahm, wenn die Kabine mit Daylight+ beleuchtet wurde. Das typische „Mittagstief“ konnte somit verhindert werden. Außerdem war mit Daylight+ das Reaktionsvermögen konstanter und es kam unter monotoner Beanspruchung zu weniger Fehlreaktionen. Furthermore the tests showed that with Daylight+, the reaction capacity remained constant and fewer incorrect reactions occurred when carrying out monotonous tasks.

Erholsamer Schlaf im Fahrerhaus

Aber nicht nur während der Fahrt wurden Daten aufgezeichnet, sondern auch nachts – nämlich um die Schlafqualität zu untersuchen. Das Ergebnis: In der Woche, in der die Fahrer im Daylight+-Lkw unterwegs waren, war der Tiefschlafanteil höher. Mehr Tiefschlaf bedeutet erholsameren Schlaf, was wiederum zu einer höheren Leistungsfähigkeit führen kann.

Fazit: Daylight+ kann Sicherheit und Komfort steigern

Die Studie lieferte deutliche Anzeichen dafür, dass der Fahrer in der „mit Licht“-Bedingung leistungsstärker, aufmerksamer und fitter bleibt als in der „ohne Licht“-Bedingung. Daylight+ könnte auch durch die subjektiv positive Wahrnehmung der Fahrer ein weiterer Baustein sein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

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