Mercedes-Benz und Pickup. Eine Geschichte voller Missverständnisse?

Am 25. Oktober 2016 stellt Mercedes-Benz in Stockholm seinen ersten Pickup vor. Wobei: In seiner Historie hat sich Mercedes-Benz immer wieder mit dieser Fahrzeugkategorie beschäftigt, sich ihr vorsichtig genähert, Ideen entwickelt, Konzepte präsentiert und … am Ende doch lieber die Finger davon gelassen. Warum eigentlich? Ein Blick ins Archiv:

Vario Research Car: Variable Studie

Konzeptfahrzeug Vario Research Car

Seit jeher macht sich Mercedes-Benz Gedanken über das Auto der Zukunft. 1995 führten diese Überlegungen zum Konzept Vario Research Car (VRC), das sich binnen weniger Minuten dank Aufbauten aus kohlenfaserverstärktem Kunststoff (CFK) in ein anderes Fahrzeug verwandeln ließ. Vier Varianten gab es – neben Limousine, Kombi und Cabrio eben auch einen Pickup. Obwohl die damalige Presseinformation von einer „viel beachteten Premiere“ auf dem Genfer Autosalon schwärmte, verschwand die Studie relativ schnell wieder in der Versenkung. Immerhin fanden einige im VRC erstmals gezeigten Innovationen wie das Active Body Control, das Farbdisplay oder der zentrale Bedien-Drehsteller Jahre später den Weg in die Serie.

170 V: Variantenreicher VRC-Urgroßvater

170 V Pritschenwagen

Der 170 V ist so etwas wie der Urgroßvater des VRC: Als die Baureihe anno 1936 ihre Weltpremiere feierte, waren „Active Body Control“ und „Farbdisplay“ noch Zukunftsmusik. Eine Parallele zwischen dem Oldie und der Studie aus den 90ern ist bei genauerem Hinsehen jedoch zu erkennen: Beide sind ziemlich variantenreiche Zeitgenossen. So gab es den robusten 170 V als Limousine, Roadster, Kombi, Cabrio, Lieferwagen – und als Pritschenwagen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war der Ur-Pickup das erste Fahrzeuge, dessen Produktion wieder aufgenommen wurde: Von Mai 1946 an wurde er wieder gebaut.

/8: Sonderling auf Welttournee

Der /8 als Pickup, wie er zum Beispiel in Südamerika unterwegs war.

Die Baureihen 114 und 115 sind heute Legenden. Unter Oldtimer-Freunden nur als /8 („Strich-Acht“) bekannt, könnte man ganze Wandregale mit Geschichten über die herrlichen Limousinen und Coupés dieser Serie füllen. Doch was viele nicht wissen: Vom /8 gab es auch ein Pickup-Derivat. Die Geschichte dieses Sonderlings ist ein kleines Mysterium. Fest steht: Mercedes-Benz lieferte CKD-Sätze nach Lateinamerika Bei Mercedes-Benz in Argentinien wurden an das Fahrgestell hinter der B-Säule Pritschen angebaut – und dieser Pickup wurde sogar über das Mercedes-Benz Händlernetz vertrieben. Schon der Name war großes Kino: „La Pickup“.

„Automobile Unabhängigkeitserklärung“

Mercedes-Benz G-Klasse

Die G-Klasse ist der Dauerbrenner von Mercedes-Benz. Da bleibt es nicht aus, dass sich auch Aufbauhersteller - meist ohne Hersteller-Segen - an dem Klassiker versuchten. Mit Stern und Siegel gab es in den 1990er Jahren eine halboffene Variante der Baureihe 461, die man durchaus in den erweiterten Pickup-Kreis aufnehmen kann. Wie es auf alle Fälle richtig gemacht wird, zeigt der G 63 AMG 6x6 (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 26,2-15,9 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 458,6 g/km.). Wer die „automobile Unabhängigkeitserklärung“, so ein Werbeclaim, fahren möchte, muss allerdings viel Geld in die Hand nehmen.

Lang, länger, Viano Activity!

Der Mercedes-Benz Viano Activity mit ausfahrbarer Ladefläche.

Ausfahrbare Spoiler? Sicher, ganz nett anzusehen. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was Mercedes-Benz mit dem Viano Activity auf die Räder gestellt hat. 2004 als Studie auf der IAA Nutzfahrzeuge präsentiert, verband er „amerikanischen Stil mit europäischen Abmessungen und Dynamik“. Besonderer Clou: Eine ausfahrbare Ladefläche verlängerte den Van von stadttauglichen 4,99 Metern auf stattliche 5,70 Meter.

Und die Geschichte geht weiter: Das neue Pickup-Konzept

Eine handverlesene Anzahl von Pickups mit Mercedes Stern existiert bereits heute. Und ja, vermutlich gibt es im einen oder anderen entlegenen Winkel dieser Welt auch Menschen, die einem handelsüblichen Pkw oder Transporter von Mercedes-Benz mir nichts, dir nichts einfach mal das Hinterteil abgesägt haben – und so in einen Pickup Marke Eigenbau verwandelt haben.

Am 25. Oktober 2016 hat Mercedes-Benz in Stockholm das erste richtige Pick-Up-Kapitel aufgeschlagen. Die Aufzeichnung des Events finden Sie hier:

Zur Aufzeichnung (Englisch)

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